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Erfahrungen einer Freiwilligen aus dem Gesundheitsprojekt auf Bali

Im März 2018 war es nun endlich soweit: die Reise begann! Ich war furchtbar aufgeregt und hatte Angst vor dem Flug. Aber als ich in Denpasar ankam war all dies vergessen. Ich wurde mit zwei anderen Freiwilligen abgeholt und von dem Moment an begann für mich ein neues Leben. Ich hatte zuvor fast acht Jahre lang allein gelebt und meinen eigenen Haushalt geführt. Die Vorstellung für zwei Monate auf jegliche Privatsphäre zu verzichten war schon ziemlich nahe an einem Horrorfilm. Und bei meiner Ankunft landete ich in einem Achter-Zimmer, wovon alle anderen sieben bereits da waren und das Zimmer aussah wie nach einem schweren Erdbeben. Ich hatte kurz Zweifel an meiner Entscheidung und konnte mir nicht vorstellen dies für zwei Monate zu durchleben. Aber manchen Dingen muss man einfach Zeit geben. Manches ist erst auf den zweiten Blick schön. Schon nach wenigen Tagen hatte ich viele der Mädels ins Herz geschlossen und mich etwas an die Wohnsituation gewöhnt. Das Haus war in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ubud. Die Unterkunft vollkommen in Ordnung: Es war sauber und man hatte alles, was man brauchte. Das Personal war super freundlich, kochte täglich für uns und hielt das Haus sauber. Nach einer Woche konnte ich auch mit zwei weiteren Volunteers in ein anderes Zimmer für nur vier Personen umziehen, wo ich die restlichen 7 Wochen wohnte und lebte.

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Die Einführungswoche war ein toller Teil des Programms. Man lernte alle anderen Teilnehmer seiner Gruppe kennen, sah schon viel von der Umgebung und bekam erste Eindrücke von der balinesischen Kultur.

Ein aufregender Start ins Projekt

Vor meinem ersten Schultag war ich wahnsinnig aufgeregt. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Obwohl die Sprachbarriere tatsächlich größer war als erwartet, so waren die Kinder unglaublich lieb und motiviert und schon nach wenigen Tagen wusste ich, dass der Abschied schlimm werden wird. Wir haben die Kids zum Thema Ernährung geschult, ihnen Grundkenntnisse über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln erklärt und wie eine ausgewogene Mahlzeit aussieht. Wir haben über Krankheiten wie Dengue Fieber oder Tollwut gesprochen und Präventionsmaßnahmen gelehrt. Wir haben Erste-Hilfe-Trainings gemacht und uns über allgemeine Hygiene unterhalten. Wir haben zusammen geübt, wie man richtig Hände wäscht und wie man richtig Zähne putzt.

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Das erste Mal in meinem Leben wusste ich, dass ich am richtigen Ort bin. Dass meine Arbeit einen Sinn hat und ich mit meinem Wissen anderen helfen kann. Dies ist ein sehr gutes Gefühl! Und bei all der Sinnhaftigkeit hat uns trotzdem nie der Spaß gefehlt. Wir haben jeden Tag Spiele gespielt wie Galgenmännchen, Memory oder Bingo. Außerdem haben wir Fußball, Volleyball und Bowling gespielt oder Eierlauf gemacht. Am Ende schenkten wir unserer Klasse ein Volleyballnetz und einen Ball, wofür wir große Dankbarkeit erhielten. Ich werde diese Kinder auf jeden Fall vermissen.

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Bali - mein neues Zuhause

Zur Halbzeit war ich erschrocken wie wahnsinnig schnell die Zeit verging. Obwohl es auch eine Zeit des Abschieds war, da die meisten Volunteers sich nach vier Wochen wieder auf den Heimweg machten, begann für mich dadurch nochmals eine andere Zeit! Ich lernte die Koordinatoren besser kennen und durch sie den wahren Alltag auf Bali, in Ubud. Und hier war es wie überall auf der Welt: kennst du einen, kennst du alle. Heute habe ich fast mehr Freunde in Ubud als in meiner Heimatstadt. Und dafür gibt es nur einen einzigen Grund: die unglaublichen Menschen! Es sind die liebsten und herzlichsten Menschen, die mir je begegnet sind. Immer fühlte ich mich dort wie ein Teil der Familie, als gehöre ich dazu. Heimweh? Keinesfalls.

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Die Insel Bali als solche war nicht das, was ich erwartet habe. Der Tourismus und die Unaufgeklärtheit der lokalen Bevölkerung haben ihre Spuren hinterlassen. Im Meer schwimmt unendlich viel Plastik und überschwemmt die Strände. Wenn ich die Natur betrachte, so war ich fast etwas enttäuscht, denn das Bali aus dem Katalog gibt es nicht mehr. Wer die Traumstrände sucht, der muss tatsächlich auf den kleinen Nachbarinseln suchen, diese sind dafür umso schöner! Doch Bali überzeugt auf ganzer Linie mit seinen Bewohnern, mit seiner Mentalität und seinem Geist. Das Leben dort war in vielerlei Hinsicht einfacher.

Ich habe in diesen zwei Monaten gelernt, wie wenig zum Leben eigentlich notwendig ist und wie wenig wir brauchen um glücklich zu sein. Deswegen passt der Slogan „Home is where your heart is“ so gut: Ich habe mich wirklich auf Bali Zuhause gefühlt.

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Unvergessliche Momente

An den Wochenenden waren wir immer unterwegs. Entweder auf Bali selbst, wo wir unter anderem nachts den Vulkan Mount Batur bestiegen, durch die Reisfelder von Jatiluwih - UNESCO Weltkulturerbe – wanderten, eine Schokoladenfabrik besuchten und alles ausprobierten oder über die Insel reisten. Wir besuchten unendlich viele Tempel auf der ganzen Insel, wobei sie alle ähnlich waren und doch jeder für sich Einzigartig. Und natürlich haben wir auch Bali verlassen. Wir waren ein Wochenende auf den Gili Islands, ein Wochenende auf Nusa Penida und Nusa Lembongan und ein Wochenende in Singapur, wofür wir sogar das Land verließen.

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Und am Ende bleibt die Überzeugung, dass dieser Abschied nicht für immer ist. Ich werde die Zeit immer in meinem Herzen behalten und ein Teil meines Herzens wird für immer auf Bali bleiben. Ja, am Ende gehe ich unter Tränen, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Ich bin dankbar dafür, dass ich all das erleben durfte. Ich erlebte eine siebentägige balinesische Hochzeit, ich sah durch Zufall eine Gruppe Delphine, die plötzlich neben unserem Boot auf der Rückfahrt von Nusa Penida auftauchten, ich sah einen riesigen Manta-Rochen im Meer seine Kreise ziehen, ich stand auf der Spitze eines Vulkans und ich hatte das große Glück viele wunderbare Menschen aus allen Teilen der Welt kennenzulernen. Keinen Augenblick habe ich meine Entscheidung bereut und diese Reise war jeden Cent wert. Ich würde es jederzeit wieder tun und kann es nur jedem raten. Lasst euch nicht von der Angst oder den Zweifeln davon abhalten, sondern geht diesen Schritt – er wird sich in jedem Fall auszahlen.

Bali, ich verspreche dir, ich komme wieder! Terima kasih!

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